Interview der Alanod Kommunikations- Presseabteilung (Lars Westermann) zur Messe Interzum mit Rolf Göbel, Alanod und Andreas Danler, Bartenbach.
Rolf Göbel (Director of Sales & System Development) Alanod GmbH & Co. KG
Andreas Danler (Director Lighting Applications) Bartenbach GmbH

LW: Es gibt viele Projekte die Bartenbach mit Alanod gemeinsam realisiert hat. Können Sie uns bitte kurz erklären, warum beide Firmen kooperieren und welche Vorteile daraus resultieren?

AD: Bei der innovativen Anwendung und Nutzung von Tages- und Kunstlicht bedarf es oft lichtlenkender Oberflächen, die das Licht ohne nennenswerte Verluste transportieren. Die Materialien von Alanod sind deshalb in unseren Planungen seit langem unverzichtbarer Bestandteil. Ohne die hochwertigen Materialien von Alanod wären manche Projektlösungen, wie zum Beispiel die Tageslichteinlenkung im Terminal 3 des Flughafens Singapur, nicht möglich gewesen.

RG: Bartenbach gibt uns die große Chance der Weiterentwicklung, da die Forschung- und Studienthemen eine große Möglichkeit der Produkt- bzw. Weiterentwicklung bieten. Dies betrifft nicht nur lichttechnische Themen, sondern auch Themen der Wahrnehmungspsychologie bis hin zu medizinischen Themen wie z. B. welche Wandfarbe beeinflusst den Blutdruck, die Herzratenvariabilität.

LW: Einer Ihrer Messethemenschwerpunkte in diesem Jahr lautet „Licht und Oberfläche“. Wie ist das Zusammenspiel von Oberfläche und Licht zu sehen?

AD: Es gibt einen interessanten Satz, der zunächst eigenartig klingt: „Licht ist nicht sichtbar“. Tatsächlich sehen wir Licht erst über die Reflexion an den Oberflächen. Die Oberflächen machen Licht also erst sichtbar. Deshalb spielen Oberflächen in der Licht- und Raumwahrnehmung eine entscheidende Rolle.

RG: Matte Oberflächen vermitteln Festigkeit, glänzende Oberflächen können „entmaterialisierend“ wirken und so Raumdimensionen erweitern. Gerade durch die Kombination dieser beiden Erscheinungsbilder in einem Material können noch nie da gewesene Licht-Raumwirkungen gestaltet werden, wie zum Beispiel mit der neuen Alu- & Textil-Oberfläche.

LW: Was muss in diesem Zusammenhang in der Lichtplanung generell berücksichtigt werden?

AD: Das Licht im Raum entsteht immer im Zusammenwirken mit den Raumoberflächen, weil diese die Intensität, die Farbe und die Richtung des Lichtes, welches in unser Auge gelangt, modulieren. Deshalb muss die Lichtplanung immer die umfassende Lichtwirkung auf den Menschen im Kontext mit den Oberflächen berücksichtigen. Ein bloßes Berechnen von Lux-Werten, ist definitiv zu wenig.

RG: Wir versuchen, Planer gedanklich zu stimulieren und weitere Ideen einfließen zu lassen. Wer soll die Räume bewohnen, junge oder ältere Menschen – hier ist die unterschiedliche Lichtintensität enorm wichtig. Mit welcher Farbe wird unser Gehirn aktiv stimuliert, welche Struktur ist förderlich. All diese Forschungsergebnisse sind vorhanden und können genutzt werden.

LW: Sie zeigen auch Oberflächen, auf denen Stoff auf Aluminium laminiert wurde. Was ist der Nutzen dieser Verbindung?

AD: Glänzende Aluminiumoberflächen sind hervorragende Reflektoren und man kann so zum Beispiel Tageslichthelligkeiten in den Raum reflektieren. Zusätzlich wirken diese Oberflächen „entmaterialisierend“, d.h. sehr leicht kann ein beengter Raum visuell erweitert und geöffnet werden. Doch das bloße Aluminium wirkt eben auch metallisch-technisch. Durch das Laminieren von Gewebe auf die Aluminiumoberfläche wird eine visuell weiche Oberfläche geschaffen, die aber gleichzeitig die beschriebenen entmaterialisierenden Eigenschaften aufweist. Wir haben mit diesem neuen Material u.a. in Besprechungsräumen gearbeitet und beeindruckende Wirkungen erzielt. Nebenbei entsteht durch das Textil ist auch eine positive Wirkung für die Raumakustik.

LW: Ein weiterer Themenschwerpunkt auf dem Messestand wird „Licht und Gesundheit“ (human centric light) einnehmen. Was verbirgt sich hinter diesem Thema?

RG: Licht ist mehr als nur hell. Licht wirkt emotional und auch in biologischer Hinsicht auf den Menschen. Der Mensch hat sich im Zuge der Evolution an das Tageslicht angepasst und benötigt Licht nicht nur um sehen zu können, sondern auch für die Aktivierung des Organismus. So weiß man heute, dass das über das Auge aufgenommene Licht die innere Uhr des Menschen und damit den Blutkreislauf, Hormone und Stoffwechsel maßgeblich beeinflussen. Licht blockiert nachts die Ausschüttung von Melatonin, dem Schlafhormon, während es untertags die Bildung des Glückshormons Serotonin fördert. Morgens wirkt bläuliches Licht mit hoher Intensität positiv auf unser Gemüt, abends bevorzugen wir das rötliche Feuerlicht.

Danke für das Interview und viel Erfolg auf der diesjährigen Interzum.